Ungarn, lange für uns verborgen, öffnet sich uns heute mit einer großen Bandbreite es zu erkunden, zu erleben und lieben zu lernen.
Für die Älteren von uns ist Ungarn „Piroska“, Paprika und der „Zigeunerbaron von Lehar“. Und ob man es glaubt oder nicht, noch immer findet man Bahnhöfe, die wie gemacht scheinen für Filmkulissen. Dann gibt es die Menschen, die Ungarn verbinden mit Party am Plattensee, preisgünstig, sozusagen ein Schnäppchen.
Also es stellt sich die Frage, was ist Ungarn heute – geschrieben aus der Sicht einer Frau, die einen ungarischen Mann kennenlernte und so erstmals in dieses Land kam.

Näher als vermutet liegt Ungarn heute, nach Wegfall der Grenzen für uns. Ob wir mit dem Nachtexpress bequem nach Wien und weiter nach Ungarn reisen, mit dem Flugzeug oder über die großen Autobahnen über die Alpen kommen, wir werden ein wunderbares Land entdecken. Ein kleiner Tipp ist der kleine Flugplatz, der es den Maschinen erlaubt, direkt den Balaton anzufliegen.
Sucht man die pulsierende Großstadt, kommt man an Budapest nicht vorbei. Lebendig, modern hält es Schritt mit allen Großstädten der Welt. Gleichzeitig schmeichelt sie sich jedoch noch ein mit dem Charme der K.u.K Monarchie aus einer längst vergangen Zeit. Kaffeehäuser und Villen, wunderbar wieder hergestellt, liegen in unmittelbarer Nähe von Gassen, in denen die Zeit stehen geblieben zu sein scheint. Junge Menschen strömen durch die Stadt. Budapest die Universitätsstadt. Längst sind ungarische Ärzte in Deutschland keine Seltenheit. Angehende Medizinstudenten, die auf einen Studienplatz in Deutschland warten, wissen seit langem von der Möglichkeit nach  Budapest auszuweichen.

Der Plattensee oder besser Balaton, einer der größten Binnenseen Europas,  bietet jedem Touristen eine Möglichkeit seinen Urlaub zu gestalten. Das Südufer seit langem touristisch erschlossen, liefert dem Urlauber Spaß und Leichtigkeit. Ihm gegenüber liegt das Nordufer.
Von einer direkten Bahnverbindung ausgeschlossen ist Szigliget, einer meiner Favoriten. Ruhig (ausgenommen in der Urlaubszeit) und beschaulich schmiegt sich das Dorf an den Berghang. Pappelalleen säumen die Uferstraße. Hier hat die ungarische Geldaristokratie ihre Ferienhäuser. Es sind nicht die heißen Sommertage, wo Szigliget am schönsten erscheint. Dann findet sich der Trubel der Menschen auf den Wiesen des Badestrandes. Es sind die Herbsttage, die noch in ihren goldenen Farben und angenehmen Temperaturen, eine Gelassenheit und Ruhe ausströmen. Ist dies ihnen zu langweilig, nun ja, da gibt es noch das alte Hotel am Hang. Alleine  für den Blick über den Balaton lohnt sich eine Übernachtung, dass scheint auch das Hausgespenst zu meinen. Eine Frau, so sagt man, seit vielen Jahren tot. Ich habe sie nicht gesehen, aber ich habe auch nicht mein Zimmer verlassen nach Mitternacht. Geselligkeit findet man im bekannten Esterhazy Weinkeller. Überhaupt Ungarn zu verlassen ohne seine Weine probiert zu haben – nicht vorstellbar.

Dann ist Ungarn natürlich auch das Land der Thermen und Bäder. Bereits zur Zeit der Römer nutzte man die alten Heilquellen. Mondän und stilvoll die Jugendstilbäder in Budapest, etwas in die Tage gekommen das alte Bad in Bath. Kuren in Ungarn ist immer noch günstig. Unter medizinischer Betreuung und fachlich gut ausgebildeten Physiotherapeuten, bietet Bath Heilung und Linderung. Seit Jahrzehnten nutzen die Österreicher die Vorteile, die Ungarn ihnen bietet. Somit finden sich kaum Verständigungsprobleme, hinzu kommt die herzliche und zugewandte Art der Ungarn.

Wenn sie sich auf den Weg zum Balaton machen, möchte ich ihnen Sopron und das kleine Dorf Nazyink ans Herz legen. Sopron mit einem großen erhaltenden mittelalterlichen Stadtkern ist Romantik pur. Allerdings ließ der Komfort im Mittelalter zu wünschen übrig. Doch nachdem die Wohnungen renoviert wurden und zur Vermietung oder Kauf angeboten werden, finden sich viele kostengünstige, attraktive und durch ihre Lage einzigartige Immobilien auf dem Immobilienmarkt.

Zunehmend mehr ältere Deutsche erkennen Ungarns Potential im Ruhestand. So ähnlich Ungarn und Deutschland in vieler Hinsicht sind, in einem unterscheiden sie sich wesentlich. In Ungarn wird die Rente nicht versteuert. Weiterhin sind Lebensmittel und Wohnungen günstig. Medizinische Versorgung ausreichend und die Verständigung mit den Menschen besonders im Grenzgebiet kein Problem. Wien und die Alpen liegen vor der Tür – was möchte man mehr.

Aber zurück nach Sopron, neben der Geschichte dieser Stadt fallen die modernen Einkaufzentren in der Peripherie der Stadt auf. Kulturell bietet diese Stadt unter anderem  ein Theater im Jugendstil und einem im Westen noch immer nicht wahrgenommenen großartigen Künstler. In der Zeit des Kommunismus ausgegrenzt, gelang es Horvath einzigartige, große Aquarelle zu schaffen. Ich hoffe die Leitung des kleinen Museums hat mittlerweile einen Weg gefunden, uns Touristen mitzuteilen, dass die geschlossene Tür lediglich ein Klingeln abverlangt. Spaziert man durch diese Stadt finden sich offene Tore, die Blicke in alte Innenhöfe ermöglichen. Man trifft auf das alte Kino im Jugendstil, in dem die Zeit für einen kurzen Moment stehen geblieben scheint. Das ist das Besondere an dieser Stadt- man lebt mit all den Erinnerungen dieser grandiosen Zeit trotzdem im Hier und Heute. Und wenn der Hunger kommt, nach dem Durchstreifen dieser Stadt, erlebt man einen weiteren Höhepunkt. Unzählige kleine und größere Gasthäuser und Restaurants – auch hier zu guten Preisen – laden ein, die ungarische Küche kennenzulernen.
So nebenbei wundert man sich vielleicht, warum  man auf so viele Zahnarztpraxen in dieser Stadt trifft. Längst ist es kein Geheimtipp mehr, zur Behandlung seiner Zähne nach Ungarn auszuweichen. Gute Qualität zu niedrigen Preisen, kann man es schnell auf den Punkt bringen.

Zum Schluss möchte ich ihnen noch Nagycenk vorstellen. Ein kleines Dorf mit einer großen Geschichte. Hier findet man das Szecheny Schloss und Mausoleum. Wandert man durch die alte Allee, die erahnen lässt, wie viel fleißige Gärtner man eigentlich benötigen würde, um den damaligen Zustand der Parkanlage wieder herzustellen, findet man am Ende das Grab seiner Frau. Man kommt an alten Steinbänken vorbei, die zum Verweilen einladen. Wird man sich je Fragen, wie ein Mann seine Liebe zu seiner Frau ausdrücken kann, so wird man sich an diese Grabstelle mit dem imposanten Grabstein erinnern.
Am Ende dieser kleinen Geschichte stellen wir fest, alles unterliegt dem Wandel der Zeit und ist vergänglich. Dieses erleben wir auch auf dem alten Friedhof mit seinem Mausoleum. Nie habe ich einen schöneren, leicht verwilderten Friedhof gesehen. Dies alles ist Ungarn für mich.

Ich warte noch auf einen Besuch in der Puszta und in der vor einigen Jahren nominierten Kulturhauptstadt Pécs. Unendliche Weiten und eine Stadt, die zu einer den schönsten Städte Europas gehört. Ich freue mich darauf und werde wiederkommen.