Architektur

Zu den römischen Relikten zählen die größte Ausgrabungsstätte Ungarns in Tác-Gorsium sowie die ehemalige Römersiedlung Aquincum in Budapest.

Nach der Gründung des ungarischen Staates durch Stephan I. wurden vor allem Kirchen und Burgen gebaut. Die in dieser Zeit errichteten romanischen Kirchen entsprechen dem italienischen dreischiffigen Baustil ( Basilika von Székesfehérvár, Kathedrale von Pécs). Seit dem 12. Jahrhundert sind bei den Bauten französische Einflüsse zu erkennen (Königskapelle in Esztergom, Benediktinerabtei in Pannonhalma, Zisterzienserkirche in Bélapátfalva).

Nach dem Einfall der Mongolen in den Jahren 1241/42 fand der gotische Baustil Verbreitung. Es wurden befestigte Bauten errichtet, die den Bewohnern Schutz vor Angriffen bieten sollten, z.B. Burg Sümeg, Burg Csesznek, Burg Diósgyör oder die Wohntürme in Visegrád. An sakralen Bauten entstanden z.B. in Budapest die Matthiaskirche und die Innerstädtische Pfarrkirche, in Köszeg die Jakobskirche und in Sopron die Michaelskirche; zu den schönsten gotischen Baudenkmälern Ungarns gehört der Kapitelsaal der Kirche in Sopron.
Die gotische Baukunst in Ungarn wurde im 14. Jahrhundert auch von Italien her beeinflusst, da die herrschende Anjou-Dynastie aus Neapel stammte.

Kaiser Sigismund von Luxemburg (1387-1437), ungarischer König und römisch-deutscher Kaiser, war ein Wegbereiter der Renaissance. Diese hatte ihre Blütezeit während der Herrschaft von Matthias Corvinus (1458-1490). Einer von Corvinus Baumeistern war der aus Dalmatien stammende Ivan Duknovic, auch Giovanni Dalmata genannt. Aus dieser glanzvollen Epoche stammen die Paläste von Buda und Visegrád.

Als im 16. Jahrhundert die Türken Buda eroberten, brachten sie ihren eigenen osmanisch-islamischen Baustil mit. Erhalten sind aus dieser Zeit Bäder, Moscheen und Minarette. Besonders hervorzuheben sind hier die Grabkapelle des Gül Baba in Buda und die des Irisz Baba in Pécs, die nördlichsten Zeugen osmanischer Bautätigkeit.

Im Barockstil wurden im 18. Jahrhundert überwiegend Kirchenbauten errichtet, z.B. die Bischofssitze in Szombathely, Vác, Veszprém und Kalocsa. Auch entstanden neue Ordenshäuser, wie das der der Jesuiten in Sopron, der Benediktiner in Tihany und der Karmeliten in Györ. Schöne Beispiele barocker Architektur sind auch das Schloss Eszterházy in Fertöd, das für Prinz Eugen von Savoyen erbaute Schloss in Ráckeve sowie zahlreiche Bauten in Sopron, Györ und Eger.

Gegen Ende des 18. Jahrhunderts wurde der Barockstil vom Zopfstil abgelöst, der die Formen des Barock vereinfachte, z.B. wurden gradlinigere Zierelemente verwendet. Herausragende Baudenkmäler im Zopfstil sind das Bischofspalais in Veszprém und das ehemalige Erzbischöfliche Lyzeum in Eger.

Anfang des 19. Jahrhunderts begann die Zeit des Klassizismus, in der das Ungarische Nationalmuseum, die Fassade des Doms von Pécs sowie die Dome von Esztergom und Eger entstanden. Auch viele Landsitze des Adels und zahlreiche Komitatshäuser, genannt Verwaltungsgebäude, entstanden im klassizistischen Stil.

Um die Mitte des 19. Jahrhunderts setzte in Ungarn im Hinblick auf die Tausendjahrfeier der Staatsgründung eine rege Bautätigkeit monumentaler Bauten ein. Die strengen klassizistischen Formen vermischten sich mit Elementen alter Baustile, hinzu kamen orientalische und volkstümliche Einflüsse. Aus dieser Zeit stammen viele prächtige Bauten, u.a. in Budapest das Parlamentsgebäude, die Staatsoper, die Gebäude am Großen Ring und der Heldenplatz.

Die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts beeinflusste der Bauhausstil (Walter Gropius) die Wohn- und Zweckbauten Ungarns.

Heute entstehen in Ungarn auch moderne Objekte, die international Anerkennung finden, besonders Brückenbauten und Hotels.

 

Malerei

Viele Jahrhunderte wurde die Malerei in Ungarn von den künstlerischen Strömungen der Nachbarländer beeinflusst; von der byzantinischen Malerei des Mittelalters, der italienischen der Renaissance sowie während des Barocks den Einflüssen des feudalen Frankreich, Österreichs und Süddeutschland.
Der bekannteste ungarische Maler des 15. Jahrhunderts war Michele Ongaro, der am Hof von Ferrara in Italien arbeitete. Auch die ungarischen Maler des 17. und 18. Jahrhunderts arbeiteten hauptsächlich im Ausland.
Im 19. Jahrhundert kam die nationale Historienmalerei auf, eine von der Romantik beeinflusste Malerei. Bekannte Maler dieser Zeit sind Viktor Madarász, Bertalan Székely, Gyula Benczúr, László Paál, Géza Mészöly, Mihály Munkácsy, Pál Szinyei Merse und Mór Than. Als erstem ungarischem Maler gelang es Miklós Barabás, einem Porträtisten, im eigenen Land Anerkennung zu finden. Mihály Zichy (1844 – 1900) zählte schon zu Lebzeiten zu den bedeutendsten Malern Europas.
Um die Jahrhundertwende schlossen sich einige ungarische Maler zu Künstlerkolonien zusammen, beispielsweise der „Nagybánya“, die dem Impressionismus aber auch dem Jugendstil nahestanden. Auch andere Gruppen wurden gebildet. Bekannte Künstler dieser Gruppen waren Simon Hollósy, József Rippl-Rónai, Károly Ferenczs und Tivadar Csontváry-Koszka.
Mit der Jahrhundertwende erhielt die Malerei viele Impulse durch avantgardistische Strömungen, Graphik und Plakatkunst erlebten eine Blütezeit.
Die sozialistisch-realistischen Genre- und Historienmalerei war in den 1950er und 1960er Jahren besonders beliebt.
Einige der führenden, ungarischen, im Ausland arbeitenden Künstler sind Victor Vasarely, Zsigmond Kemény und László Moholy-Nagy.

Musik

Bei dem Begriff ungarische Musik denken viele Menschen zuerst an die klassische Musik und Werke von Franz Liszt, jenem ungarischen Komponisten, der die europäische Musikgeschichte geprägt hat.
Andere assoziieren ungarische Musik mit Zigeunermusik, die man in einer Csárda sitzend live erleben kann.

Ungarn leistete große Beiträge zur europäischen Musikgeschichte, im 19. Jahrhundert gehörte ungarische Musik zur beliebtesten Musik in ganz Europa. Einige der wichtigsten Komponisten dieser Zeit sind Franz Liszt, Imre Kálmán, Franz Lehár, Leó Weiner, Ernst von Dohnlányi, Béla Bartók, Zoltán Kodály, György Ligeti , Géza Anda, Sándor Kónya und Andor Foldes. Die bedeutendsten Gesangssolisten sind die Sopranistin Sylvia Geszty und der Tenor Sándor Kónya.

In der Popmusik bekannte Künstler sind Katalin Karády, Omega, Piramis, Kati Kovács, Locomotiv GT, Sarolta Zalatnay, Illés, Ákos Kovács und Magdi Rúzsa.

In der modernen Volksmusik gehören zu den berühmtesten Interpreten Márta Sebestyén, Muzsikás und Bea Palya.

Heute ist das Zentrum der ungarischen Musik sicherlich Budapest – jedes Jahr finden in der pulsierenden Metropole unzählige Konzerte und Veranstaltungen statt. Europaweit bekannte Musikfestivals sind Sziget und Balaton Sound.